Gundelrebe

Gundelrebe oder Gundermann (Glechoma hederacea L.), aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), auch genannt Grundrebe oder Erdefeu

Die Gundelrebe kennst Du bestimmt, denn sie ist in Mitteleuropa sehr verbreitet. Es gibt sie aber auch in Asien bis Japan und Hongkong. Und in Neuseeland, den USA und in Kanada wurde sie von Menschen eingeschleppt, gilt dort also als Neophyt. Sie gedeiht auf feuchten, fruchtbaren Böden, die ausreichend Phosphor, Nitrate und Kalk enthalten und deren pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5 liegt. Du findest sie auf Wiesen, an Waldrändern, Feldrainen, entlang von Hecken und Gebüschen sowie in lichten Laubwäldern, in Höhen von 0 bis 1.600 m.

Gundelrebe ist eine ausdauernde, wintergrüne, krautige Pflanze, die unter günstigen Bedingungen große Teppiche bilden kann. Sie hat einen Hauptspross, der bis zu 2 Meter lang werden kann und zahlreiche Seitensprosse bildet, die am Boden entlang wachsen. Die Blütentriebe, 10 bis 30 cm hoch, stehen aufrecht. Die Pflanze ist weich behaart bis fast kahl. Die Stängel sind vierkantig mit quadratischem Querschnitt. Sie sind, wie auch die Blattunterseiten, oft purpurn überlaufen. Die Gundelrebe ist ein Flachwurzler.
Die Blätter stehen kreuzgegenständig, die Blattstiele sind unterschiedlich lang, aber immer kürzer als die Internodien (also die Strecke von einer Blattachsel zur nächsten). Die Blätter sind herz- oder nierenförmig, 0,4-3,5 x 0,6 bis 4 cm groß, mit stumpfer Blattspitze und grob gekerbtem Rand.

Die Blüten entspringen den Blattachseln, immer eine bis fünf in einer Blattachsel. Sie sind blauviolett – selten rosa oder weiß – mit purpurnen Flecken auf der Unterlippe. Sie sind zwittrig und selbstfruchtbar. Die Blüten erscheinen von April bis Juni, die Samen reifen von Juni bis August. Insekten finden Nektar und Pollen. Die Blüten werden von Hummeln, Pelzbienen, Schwebfliegen, Käfern und Ameisen besucht, auch von einigen Schmetterlingen, z.B. Aurorafalter und Zitronenfalter.
Die Vermehrung geschieht vorwiegend vegetativ, aber auch über die Samen.

Die Gundelrebe ist für einige Wirbeltiere giftig, u.a. für Pferde, aber eine wertvolle Futterpflanze für viele Wirbellose. Bei Menschen sind keine Vergiftungen bekannt. In der Landwirtschaft gilt sie als wertlos, wird mit Glufosinat bekämpft.   

Als Heil- und Zauberkraut spielte die Gundelrebe schon bei den Germanen eine wichtige Rolle. Hildegard von Bingen beschrieb sie und wandte sie äußerlich wie innerlich bei Erschöpfungszuständen an – da solche Zustände heute so verbreitet sind, wäre zu versuchen, was mit ihr möglich ist.
Die moderne wissenschaftliche Phytotherapie hat die Gundelrebe wenig erforscht. Im Versuch haben sich die enthaltenen Sesquiterpene als cytotoxisch bei verschiedenen Krebsarten erwiesen. Außerdem gilt sie als antibakteriell, antioxidativ und entzüngungshemmend. Der Name weist auf eine Wirkung gegen eitrige Hauterscheinungen hin: Gund = Eiter. Die Homöopathie nutzt Glechoma als Urtinktur oder in niedriger Potenz bei Bronchialerkrankungen, allgemeiner Schwäche und in der Rekonvaleszenz.

An Inhaltstoffen finden sich ätherische Öle, Terpene, Flavonoide, Gerbstoffe, der Bitterstoff Glechomin, Saponine, Harz, Zucker, Vitamin C und Kalium. Die Erfahrungsmedizin weiß von folgenden Wirkungen: schleimlösend, steinlösend, harnsäurelösend, magen- und lungenheilend, stärkernd, nervenberuhigend.

Während der ganzen Blütezeit können die Blätter und Blüten im Salat, in Kräuterbutter und als Suppenwürze gegessen werden. Die Blätter kannst Du fast das ganze Jahr über ernten. Die Blätter regen den Stoffwechsel und die Verdauung an und wirken ausgleichend.
Wenn Du das Kraut mit heißem Wasser überbrühst,  dann kurz aufkochen, bis zum Abkühlen stehen lässt und dann abseihst, gewinnst Du ein hautklärendes Gesichtswasser. Der Tee ist gut gegen Husten ( 2 TL Kraut auf ¼ Liter Wasser, 5 Minuten ziehen lassen, 3 Tassen pro Tag). Für ein beruhigendes und stärkendes Vollbad koche 5 Hände voll Gundelrebe in 5 Liter Wasser, lasse den Sud 10 Minuten ziehen und gieße ihn dann durch ein Sieb ins Badewasser. Für ein Wundöl fülle ein Glas mit reichlich frischer Gundelrebe, die Du zuvor mit dem Nudelholz etwas angequetscht hast, übergieße das Kraut mit gutem kaltgepresstem Öl, spanne ein kleines Tuch über das Glas, damit nicht hineinfällt (Gummiband), und stelle es für zwei bis drei Wochen auf die sonnige Fensterbank. Du kannst das Öl dann abseihen, das muss aber nicht sein. Es macht sich gut auf geschädigter Haut oder Schleimhaut, auf eiternden Wunden und Brandverletzungen.

Vor der Kultivierung des Hopfens hat man Gundelrebe zum Haltbarmachen von Bier verwendet. Auch diente sie als Ersatz für tierisches Lab.
In der Walpurgisnacht geh mit einem Kranz aus Gundelrebe, dann erkennst Du die Hexen. Sagte man jedenfalls in früheren Zeiten.
Auch spielte das Kraut eine Rolle beim Milchzauber: Gab eine Kuh wenig Milch, so hat man sie die ersten Striche durch einen Gundelreben-Kranz gemolken und ihr anschließend den Kranz zu fressen gegeben. Das sollte die Milchbildung fördern. Wer weiß schon, was an der Erfahrung unserer Vorfahren dran ist – vielleicht mehr, als wir meinen.