Rosmarin

Rosmarinus officinalis L., auch Kranzkraut, Antonkraut, Meertau (wörtliche Übersetzung des offiziellen Namens).

Der Rosmarin gehört zur Familie der Lippenblütler. Er ist ein immergrüner Strauch und wird ungefähr 1 Meter hoch, unter günstigen Bedingungen auch höher. Er liebt lockeren, halbsandigen Boden in voller Sonne. Vorübergehende Ballentrockenheit verträgt er gut, Staunässe gar nicht. Er ist eben ein Immigrant aus dem Mittelmeerraum. Vor allem im westlichen Mittelmeerraum von Portugal bis zum ionischen Meer ist er heimisch und gehört zur Macchia- und Garrigue-Vegetation. Zum Beispiel der Mont Sainte-Victoire bei Aix-en-Provence, Tübingens Partnerstadt in Südfrankreich, der Berg, den Cezanne so oft gemalt hat, ist davon bedeckt. Nördlich der Alpen ist Rosmarin nicht wirklich winterhart. Man muss ihn gut abdecken – und dann immer noch Glück haben, dass es nicht zu kalt wird, damit er über den Winter kommt. Es gibt allerdings inzwischen Sorten, die bis zu – 15 ° Celsius aushalten, z.B. „Veitshöchheim“. Ansonsten gedeiht er auch gut in Kübeln und überwintert dann im Gewächshaus oder im Haus an einem hellen, kühlen Platz. Vermehren kann man ihn im Herbst über Stecklinge oder auch über Samen – letzteres erfordert viel Geduld und ein warmes Klima. Jungpflanzen sind aber überall zu bekommen. Achten Sie darauf, dass Ihr Rosmarin nicht zu sehr getrieben ist, sonst haben Sie nicht so lange Freude an ihm.

Seine Blätter sehen eher wie Nadeln aus. Sie sind oberseits ledrig und unterseits graufilzig und eingerollt. Auf die Weise schützt sich die Pflanze vor übermäßiger Verdunstung. Die Blüten sind blassblau, bei manchen Varietäten rosa oder weiß. Eine Legende sagt, dass der Rosmarin ursprünglich weiß geblüht habe. Die Blüten hätten sich blau gefärbt, nachdem die Jungfrau Maria ihren blauen Mantel darauf abgelegt habe.

Rosmarin enthält viel ätherisches Öl (Cineol, Borneol, Campher, Pinen, Phenole, Sesquiterpene usw.) – es gibt viele Chemotypen,je nach Standort. Außerdem enthält er Flavonoide und Gerbstoffe (hauptsächlich Rosmarinsäure) und Bitterstoffe, Saponine und Harz. Er wirkt anregend auf das Herz-Kreislaufsystem, fördert den Gallefluss, regt die Bildung der Verdauungssäfte an, weckt den Appetit und hilft gegen Blähungen. Außerdem wirkt er harntreibend. Das ätherische Öl wirkt antibakteriell, antiviral und antimykotisch, also ein natürliches Breitbandantibiotikum. Rosmarin hat auch die Fähigkeit, Krämpfe zu lösen, in Überdosen jedoch kann er sie auch auslösen; deshalb wird Schwangeren abgeraten vom Rosmarin, da er Wehen auslösen könnte. Äußerlich angewendet, fördert er die Hautdurchblutung und hilft bei Gicht und Rheuma. Anwendungsformen sind Tee, Tinktur, Wesenhafte Urtinktur (CERES), Salbe, Massageöl, Badezusatz, Rosmarinwein – und natürlich als Gewürz, frisch oder getrocknet. Rosmarin ist auch Bestandteil der Herbes de Provence. Aus Rosmarin wurde das erste historisch dokumentierte Parfum hergestellt, und zwar im 14. Jahrhundert für die damalige Königin von Ungarn.

Der Rosmarinstrauch soll aus dem Grab der Leukothea gewachsen sein, der Tochter des persischen Königs Orchamus, die sich dem Helios, dem Sonnengotte hingegeben hatte. Zur Strafe schloss ihr Vater sie lebend im Grabe ein. (Der zweite Teil des Mythos ist sicher späteren Datums, der erste spricht für sich. „Leukothea“ bedeutet „weiße Göttin“ und war die Amme des Dionysos, die auf Fürsprache der Aphrodite unter die Götter aufgenommen wurde. Ihr Element war das Meer. Dann wäre der Rosmarin aus der Verbindung von Sonne und Meer hervorgegangen. Die astrologische Zuordnung der Pflanze ist Sonne und Venus, die ja auch aus dem Meer geboren ist.)

In Ägypten wurde Rosmarin für rituelle Räucherungen verwendet. Und zum Räuchern ist er nach wie vor zu empfehlen. Man kann Wohnräume und Ställe damit energetisch reinigen, aber auch den eigenen Kopf bzw. Geist klären. Außerdem hält der Rauch Insekten fern.

In den Mittelmeerländern galt Rosmarin als heilig und war der Aphrodite/Venus geweiht. Der Strauch fand vielfältig in Hochzeitsbräuchen Verwendung: Sein Gedeihen sagte das Gedeihen einer Ehe voraus oder gab Auskunft über das Wohlergehen des fernen Geliebten, wie im folgenden Volkslied:

Ich hab die Nacht geträumet, wohl einen schweren Traum.
Es wuchs in meinem Garten ein Rosmarienbaum
Ein Kirchhof war der Garten, das Blumenbeet ein Grab
Und von dem grünen Baume fiel Kron und Blüten ab.
Die Blüten tät ich sammeln in einem goldnen Krug.
Der fiel mir aus den Händen, dass es in Stücke schlug.
Draus sah ich Perlen rinnen und Tröpflein rosentot.
Was mag der Traum bedeuten? Herzliebster, bist du tot?

Sir Thomas Morus (ca. 1478 – 1535) sah in ihm ganz Anderes: Den Rosmarin lasse ich über meine Gartenmauern wachsen, nicht nur, weil meine Bienen ihn lieben, sondern auch, weil er das der Erinnerung und Freundschaft geweihte Gartenkraut ist. Schon ein Zweiglein von ihm spricht eine stumme Sprache. (Man beachte: Rosmarin überwächst eine Gartenmauer in England – ein Hinweis auf die mittelalterliche Warmzeit, die damals gerade langsam endete?)

Vielleicht noch ein Rezept zum Schluss? Fülle 700 ml guten Cognac in eine helle 1-Liter-Flasche und stecke zwei Rosmarinzweige dazu. Verschließe die Flasche und lasse sie an der Sonne 3 Wochen stehen. Schüttele sie jeden Tag einmal. Danach entfernst Du die Zweige.Dann koche 8 EL Zucker mit 6 EL Wasser auf, bis der Zucker ganz gelöst ist. Lasse den Sirup abkühlen und gieße ihn zu dem Cognac. Dann muss der Likör noch vier Wochen im Dunkeln und Kühlen ruhen und reifen. Oder stecke zwei Rosmarinzweige in 0,7 l gutem Weißwein aus. Lass die Flasche einige Wochen stehen. Du kannst die Zweige in der Flasche lassen. Der Auszug regt den Kreislauf an.